Editorial.

Liebe Leserinnen und Leser,

neulich sprach mein Kräutertee zu mir: »Liebe deine Seele!« Mal abgesehen davon, dass ich mich schon frage, warum spirituelle Lebensbegleitung ausgerechnet auf Teebeutelanhängern stattfindet, war ich doch auch ein bisschen angerührt. Die Aufforderung mahnt mich, auf etwas zu achten, das zu mir gehört, und macht mich zugleich darauf aufmerksam, dass dieses Etwas nicht einfach mit mir identisch ist. Was ist meine Seele?

Das von Dominik Blum, Rainer Oberthür und Viera Pirker besorgte Heft geht dieser Frage sehr grundsätzlich und zugleich höchst anregend und praxisbezogen nach. Ole Martin Høystad erläutert für unsere Zeitschrift die These seiner Kulturgeschichte der Seele: Die vielen, im Laufe der Jahrhunderte entstandenen Deutungen und Vorstellungen von Seele werden stets neu überschrieben von unseren eigenen Gegenwartserfahrungen. Vito Mancuso tritt mit philosophischen und theologischen Argumenten in das Gespräch mit den Naturwissenschaften ein. Die Praxisbeiträge liefern materialreiche Anregungen für alle Schulstufen, für Gemeinde und Seelsorge. Verblüffend ist, dass und wie nahezu alle Autorinnen und Autoren darauf setzen, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene ein intuitives Gespür, einen geradezu grundständigen philosophischen Zugang zum Thema haben: »Innehalten und Selberdenken« (Oberthür S. 356) hätte auch das Heftthema lauten können.

Unser Blickpunkt diskutiert das Verhältnis von Religionsunterricht und Ethikunterricht nicht bildungspolitisch, sondern ganz unmittelbar lernbezogen. Ausgehend von einem Unterrichtsprojekt an einer berufsbildenden Schule in Offenbach werden Erträge, aber auch Differenzen und Probleme innerhalb der Fächergruppe vorgestellt und reflektiert. Der philosophische Auftrag, vernunftgebunden und skeptisch Verheißungen zu prüfen, der religionspädagogische Auftrag, nicht bekenntnisleer daherzukommen, erfordern eine besondere fachdidaktische Dialogbereitschaft. Stephan Pruchniewicz hat das Projekt begleitet und drei erhellende Perspektiven aus unterschiedlichen fachdidaktischen Richtungen eingeholt.

Es kommt die dunkle und kalte Jahreszeit, zünden Sie ein Licht an – innen und außen! Und trinken Sie ab und an mal einen Tee, der von innen wärmt.

Rita Burrichter, Schriftleiterin